• Einleitung
  • Aufbau
  • Ankunft
  • Strafvollzugsbeamte
  • Rebellion
  • Beschwerden
  • Fluchtversuch
  • Abschluss

Fotodokumentation

Ein kafkaeskes Element

Zu diesem Zeitpunkt lud ich einen katholischen Priester ein, der als Gefängnisgeistlicher arbeitete, um zu überprüfen, wie wirklichkeitsgetreu unser Gefängnis war, und das Resultat war wirklich kafkaesk. Der Geistliche sprach einzeln mit jedem Gefangenen und ich sah mit Verwunderung, dass sich die Hälfte der Gefangenen mit ihrer Nummer statt mit ihrem Namen vorstellte. Nach einigen belanglosen Sätzen fragte er die entscheidende Frage: "Mein Sohn, was hast Du unternommen, um hier herauszukommen?" Als die Gefangenen darauf mit Verwirrung reagierten, erklärte er, dass man ein Gefängnis nur mit Hilfe eines Anwalts verlassen kann. Dann bot er ihnen freiwillig an, falls sie es wünschten, Kontakt zu ihren Eltern aufzunehmen, um ihnen Rechtsbeistand zu besorgen, und einige der Gefangenen nahmen sein Angebot an.

Der Besuch des Priesters verwischte die Grenze zwischen Realität und Rollenspiel noch mehr. Im täglichen Leben war dieser Mann ein echter Priester, aber er hatte so sehr gelernt, eine stereotype, programmierte Rolle zu spielen -- in einer bestimmten Weise zu sprechen, seine Hände auf vorgeschriebene Art zu falten -- dass er eher wie die Filmversion eines Priesters denn wie ein wirklicher Priester wirkte. Dadurch verstärkte er die Unsicherheit von uns allen darüber, wo unsere Rollen aufhörten und unsere persönliche Identität anfing.

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